SILBERSACKSTRASSE
Es sollen nur ein paar Biere in der Hasenschaukel werden. Roland freut sich, wieder da zu sein, aber nun haben drei Halbstarke Gefallen an unseren Jacken gefunden. Ich versuche, deren Bekundungen zu ignorieren, obwohl mir der kleinste von den Dreien ziemlich aufdringlich am Revers zerrt.
“Also gut”, sagt Roland und ich ahne sofort, was jetzt kommt. “Jungs, ich bin vorgestern erst rausgekommen. Wegen so ‘nen Würstchen, wie Ihr die seid werd’ ich nicht gegen meine Bewährungsauflagen verstossen.” Der Spruch klingt aus seinem Mund dermaßen aufgesetzt, dass es mir unangenehm ist. Immerhin lassen die Jungs von uns ab. Die sind entweder beeindruckt oder genauso beschämt.
In der Hasenschaukel bestellen wir zwei Astra und stossen an. Roland erzählt und kokettiert mit seinem neugewonnen Knastimage, dass es nur so kracht. Irgendwann entfährt es mir. “Du hast gerade mal vier Monate gesessen, Roland.” - “Ja, und?” - “Wegen Steuerhinterziehung!” - “Ich bin kein Steuerberater. Woher sollte ich wissen, dass der Loft ‘ne Kapitalanlage war!” Wir stossen an. Wir lachen. Roland nimmt einen tiefen Zug aus der Flasche und blickt mich ernst an. “Nach dem, was ich dort für eine Tafel Schokolade getan habe, werd’ ich wohl ein wenig auftragen dürfen.” Wir nippen an unseren Bieren.”Was hast Du denn dort getan?” frage ich ihn ein wenig später, ganz leise. “Geweint habe ich, Erik. Geweint wie ein Schulmädchen.”