KEINE ANTWORT
Print macht sich in die Hose, Chefredakteure schreien Mama und “Mitnahmementalität”, denn für lieblos zusammengeklatschte Bilderstrecken und umformatierte dpa-Meldungen will keiner seine Kreditkartendaten rausgeben. Wie geht’s weiter?
Im Kern verkauft uns die Zeitung genau zwei Dinge: Den hochwertigen, recherchierten Journalismus, die fundierte Meinung, sprich: Die gute, alte “vierte Gewalt” auf der einen Seite. Die Massenware “Nachrichten”, “News” und “Meldungen” auf der anderen.
Eins dieser beiden Dinge kauft keiner mehr, denn die freie Zugänglichkeit des Mediums Internet hat den Wettbewerb für den glorifizierten Nachrichtenticker verschärft und den Marktpreis auf rund 0,00€ gedrückt.
Die immer noch geltende Relevanz der Zeitungen in Politik und Medienlandschaft stammt aus dem ersten Teil, aus den sorgfältig recherchierten Hintergründen, auf der Einordnung von Geschehnissen in einem gesamtheitlichen Kontext, auf der Verknüpfung unterschiedlicher Ereignisse, aus der sich ein relevantes Meinungsbild ergibt. Und das ist der, den der Papierkäufer kauft, solange er noch kauft.
Soviel zum jetzigen Zustand und zum Trotz der Verteidiger eines Geschäftsmodells, dass unsere Zeit so nicht mehr hergeben wird.
Was dann?
Unter keinen — keinen! — Umständen werdet Ihr mit einem “Nachrichtenstrom”, mit einer lieblos halbautomatisch befüllten Homepage, auf der sich irrelevante Meldungen im 15 Minuten-Takt jagen, Geld verdienen. Der Mehrwert ist längst nicht mehr die Geschwindigkeit, mit der die Nachricht auftaucht, denn die Nachricht empfangen wir bereits von Facebook übers “Nachrichtenportal” bis zum Flatscreen in der U-Bahn auf allen Kanälen. Der Mehrwert ist nicht das Wie und Was, sondern das Warum.
Sicher sind Online, iPad und Co. die Zukunft, wenn denn tatsächlich keiner mehr Papier will. Aber ohne eine Strategie, die sich von der niederwertigen Ticker- und Meldungsflut des durschnittlichen Nachrichtenoutlets im Web abhebt, wird auch in Euren Apps und hinter Euren “Paywalls” keine Kohle zu holen sein. Keiner bezahlt online Geld für “Meldungen”, solange jemand anders mit ein paar Werbebannern die dpa-Monatspauschale abdecken und sie für lau anbieten kann.
Wenn man sich als “Zeitung” Inhalte und hochdotierte Werbeflächen bezahlen lassen und führendes, meinungsbildendes Medium unserer Gesellschaft bleiben möchte: Besser, man hebt sich ab.
Ist das schon eine Antwort?