Ob ihre Cousine denn morgen da sei, fragte er Olja, die ihn durchdringend anlächelte und seine Frage erst beim zweiten Mal mit einem Nicken beantwortete. Schön, dachte er. Morgen wird also der letzte laue Sommerabend sein, den ich vor dem Admiralspalast stehen und auf sie warten muss.
In der warmen Abendsonne dieses außergewöhnlichen Spätsommers hatte Sofia ihm einst den Kopf verdreht. Er sah sie das erste Mal, als sie in Abendgarderobe Flyer für ihr eigenes Klavierkonzert verteilte. Sie war von strenger, plumper und dick geschminkter slawischer Schönheit.
Er fragte sie nach ihrem Namen und bat sie um ein Treffen, worauf sie prompt einwilligte. “Sofia” und “ja, gerne” sagte sie und drückte ihm einen Flyer in die Hand. Zwei Tage später stand er wieder vorm Admiralspalast. Ein rassiges Weib kam auf ihn zu. “Ich bin Olja” sagte sie mit schwerem Akzent. Ihre Cousine, die, wie sich herausstellen sollte, auch bei allen folgenden Dates, die sie stellvertretend für Sofia arrangierte, einzig anwesend war.
Alles, was er über Sofia wissen wollte, musste er von Olja erfahren. Sie spazierten zum “An einem Sonntag im August” und tranken Kaffee. Sachlich und geduldig beantwortete sie seine Fragen nach ihrer Cousine, die sie gut zu kennen schien. Hier und da dachte sie einen kurzen Moment nach, bevor sie eine Antwort gab.
Von Treffen zu Treffen steigerte sich ihr Austausch in immer intimere und sexuelle Details, er begann, sich an diese eigenartige Konstellation zu gewöhnen. Seine Fragen wurden mutiger.
An jenem letzten Treffen vor dem großen Tag geschah es dann auch, dass sie miteinander schliefen. Nicht aber, ohne dass sie ihn nach ein paar Gläsern von Sofias Lieblingswein heiß machte, indem sie ihm Sofias Körper im Detail beschrieb. Als er über ihr kam, sagt er ganz leise “Sofia”. Er war sich nicht sicher, ob Olja es bemerkt hatte.
Vorm Admiralspalast stand er am Tag darauf nicht.